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Die Zeichnungen sind Teil meiner Vorarbeit und somit das Handwerkszeug zu dem, was ich heute künstlerisch tue. Ich bin auf Anraten meines Lehrers systematisch vorgegangen und habe konzentriert "gelernt". Diese Arbeiten sind also zeitlich vor den Bildern, die ihr von mir kennt, entstanden. Es gibt Zeichnungen, die ich spontan und sehr schnell gemacht habe, um die Aufnahmefähigkeit zu trainieren. Andere wiederum sind "20 Std.- Arbeiten", um Strukturen zu entwickeln und im Gedächtnis abzuspeichern, damit sie abrufbar sind und mir bei der konkreten Arbeit den Weg zu neuen Interpretationen weisen.

103Die Farbskizzen dienten als Weg zur Malerei. Farben klar setzen, ohne Korrektur, oder sie – wie beim Jazz – komplizierte und schmutzige Akkorde bilden lassen. Mein Lehrer sagte, viele Menschen, die schlecht zeichnen, hätten das Sehen nicht gelernt.

Konrad Lorenz hat einmal gesagt: „Unsere Sinnesorgane sind nur so gut, dass es zum Überleben reicht. Was darüber hinausgeht, ist Übung.“ Und meine Erfahrung sagt mir, dass es mit dem Gehirn nicht anders ist.  Also habe ich nicht über das Blatt, sondern 90 Grad versetzt zum Objekt gezeichnet. Später wurden es 180 Grad. Dann bin ich zum Zeichnen in den Nebenraum gegangen, um das visuelle Gedächtnis weiter zu strapazieren. Ich habe mich mit Aktzeichnen gequält und selbst lange Modell gestanden, … um Knete zu verdienen und um zu wissen, wie man sich als Modell fühlt. Das waren zum Teil überraschende Erkenntnisse zu meiner eigenen Person und zu meinen Mitmenschen. 101Über mehrere Jahre bin ich einmal wöchentlich mit meinem Lehrer in Museen herum gegeistert, um Bilder zu besprechen und Kunstgeschichte aufzufrischen. Er hat mir auch in den anderen naturwissenschaftlichen Fächern auf die Sprünge geholfen, um Lücken zu füllen in Diskussionen, die sicher auf mich zu gekommen wären oder als Fallgruben hätten auftauchen könnten.

In meiner Kunst sind all diese Elemente wiederzufinden, die Zeichnungen bilden die Basis meines Denkens. Meine Aufgabe ist es, sie dann auf der Leinwand umzusetzen. Ich glaube, die Aussage eines kann Bild nur entstehen, wenn neben der Fantasie ein umfangreiches technisches Wissen vorhanden ist und – wie ein Sänger, der jeden Tag mit seiner Stimme üben muss – ist der Maler auf die Potenz seiner Hände angewiesen. 102Das alleine ist aber nicht ausreichend, um ein Werk entstehen zu lassen, – der Geist muss mitziehen. Deshalb bilde ich mich ständig weiter und nur auf diese Art werden meine Gedanken auf der Leinwand umgesetzt.

Klaus Stein

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