{"id":588,"date":"2013-11-08T12:16:35","date_gmt":"2013-11-08T10:16:35","guid":{"rendered":"http:\/\/gegenstein.de\/?p=588"},"modified":"2013-11-08T12:17:07","modified_gmt":"2013-11-08T10:17:07","slug":"das-ich-der-kunst","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gegenstein.de\/?p=588","title":{"rendered":"Das \u201eIch\u201c in der Kunst"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das &bdquo;Ich&ldquo; in der Kunst<\/strong><\/p>\n<p>\tEs gibt Gelehrte, die behaupten, dass das &bdquo;Ich&ldquo; in der Literatur nicht unbedingt eine Rolle spielt und dass es durchaus m&ouml;glich sei, sich davon zu distanzieren. Wer sich mit dieser Frage besch&auml;ftigt, wird sehr schnell erfahren, dass diese These abenteuerlich ist. Auch wenn ein behandeltes Thema nicht unbedingt etwas mit der Vita des Autors zu tun hat, ist der Stil da, der eine unaufl&ouml;sliche DNA-Spur hinter sich l&auml;sst und die kann nicht ausgel&ouml;scht werden. Das gilt auch f&uuml;r den Maler, der immer Indizien zerstreut, die zu seiner Identit&auml;t f&uuml;hren. Und die Kopisten? Das sind Handwerker, die ihren Beruf beherrschen, aber dabei nicht den Ehrgeiz verfolgen, ihr Ego aufzupolieren. Und auch hier kann ein sachkundiger Experte die Differenz ermitteln, was von Menschenhand hergestellt wird, hat immer eine Identit&auml;t.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>\tWer ein Werk zu Stande bringt, hinterl&auml;sst etwas von sich. Das ist ein seelischer und k&ouml;rperlicher Prozess, der sowohl qu&auml;lend als auch euphorisierend sein kann, weil er innere Kr&auml;fte losl&auml;sst. Sie k&ouml;nnen durchaus Wunden aufrei&szlig;en, die schon l&auml;ngst geheilt waren und doch kann der K&uuml;nstler sich nicht zur&uuml;ck halten, aktiv zu sein. Wenn er Gedanken in sich tr&auml;gt, muss er sie loswerden, tut er das nicht, erkrankt er. Im Gegensatz zu &bdquo;Otto-Normal-Verbraucher&ldquo;, wird er sie stilistisch verarbeiten, sie analytisch betrachten, das macht die Kunst aus. Alles was die Zuschauer zu sehen oder zu lesen bekommen, ist das Ergebnis von einem oft schmerzhaften Weg. Es ist das B&uuml;ndeln von zahlreichen Facetten, die letztendlich zu einer Synthese und zu einer sehr pers&ouml;nlichen Aussage f&uuml;hren. Oft ist diese verschl&uuml;sselt, was sie sehr spannend macht und jeder ist frei, sie so zu interpretieren, wie er sich f&uuml;hlt.<\/p>\n<p>\tWer das &bdquo;Ich&ldquo; hervorhebt, gewinnt an Glaubw&uuml;rdigkeit. Er schenkt dem Betrachter Vertrauen und nimmt ihn an die Hand, egal ob sein Werk gef&auml;llt oder nicht. Oft zeichnet sich somit Qualit&auml;t auf, sie ist ein Dialog, der durchaus kontrovers sein kann. Bedeutet das, dass Kunst ehrlich sein soll? Ja. Dabei braucht keine unbedingte Zustimmung zu entstehen, man kann durchaus etwas verwerfen. Das Schlimmste ist die Neutralit&auml;t! Viele K&uuml;nstler gehen diesen Weg, weil sie sich nicht mit der Gesellschaft konfrontieren wollen, sie scheuen die Kritik und glauben, sich somit zu sch&uuml;tzen. Ihr &bdquo;Ich&ldquo; versch&uuml;tten sie mit Bergen von Banalit&auml;ten doch auch, wenn jemand als Egomane beschimpft wird, besser so als das Nichts und Eines steht fest: im Vakuum entsteht keine Kunst!<\/p>\n<p>\tDas &bdquo;Ich&ldquo; kann eine Tortur sein, noch mehr f&uuml;r den K&uuml;nstler, der seine Seele in seinen Werken &ouml;ffnet. Es ist eine fast masochistische Art dem Leben zu begegnen &#8211; ist das Voyeurismus? Ja! Auch wenn sich viele Sch&ouml;pfer als introvertiert bezeichnen, liefern sie sich der &Ouml;ffentlichkeit aus &#8211; das ist oft ein Widerspruch mit ihrer inneren Lebenshaltung, aber sie k&ouml;nnen nicht anders. Ob sie wollen oder nicht, das Private kommt zum Vorschein und auch mit einer gro&szlig;en Verschleierung-Technik, kann das nicht verborgen bleiben. Geheimnisse werden preisgegeben, die in den Intimbereich geh&ouml;ren. Bei der Malerei ist der Strich, die Auswahl der Farben ausschlaggebend, mehr noch als die Motive, egal ob abstrakt oder fig&uuml;rlich! Das Verschleierte ist das Wichtigste, weil es innere Empfindungen erweckt, die nicht immer zu erkl&auml;ren sind. Das ist der Beweis, dass das &bdquo;Ich&ldquo; immer die Oberhand beh&auml;lt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das &bdquo;Ich&ldquo; in der Kunst Es gibt Gelehrte, die behaupten, dass das &bdquo;Ich&ldquo; in der Literatur nicht unbedingt eine Rolle spielt und dass es durchaus m&ouml;glich sei, sich davon zu distanzieren. Wer sich mit dieser Frage besch&auml;ftigt, wird sehr schnell erfahren, dass diese These abenteuerlich ist. 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